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Lebensenergie - was ist das eigentlich?

  • Autorenbild: Isidora Rudolph
    Isidora Rudolph
  • 4. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Juli

Wenn wir von Lebensenergie sprechen, wissen wir intuitiv, was gemeint ist. Wollen wir den Begriff jedoch definieren, merken wir, dass das gar nicht so einfach ist.


Der Duden sagt: "Lebenskraft; zum Leben erforderliche Energie"


Also ist Lebensenergie ein Synonym für Lebenskraft und das, was wir benötigen, um lebendig zu sein, also belebt im Gegensatz zu unbelebt, tot. Dies hilft uns jedoch nicht unbedingt weiter, denn wir alle spüren, dass Lebensenergie und Lebenskraft in uns und allen Lebewesen in unterschiedlichem Masse vorhanden sein kann. Es ist nicht nur ein "on"- oder "off"-Zustand.


Bei meiner Suche nach weiteren Antworten bin ich auf diesen aufschlussreichen Artikel im Online-Magazin der Universität Bern gestossen. Dieser beleuchtet den Begriff "Lebensenergie* aus religionswissenschaftlicher, theologischer, psychologischer und neurowissenschaftlicher Perspektive.



Resonanz: Fröhliches Miteinanderschwingen


Als Erstes wird Lebensenergie mit Resonanz in Verbindung gebracht. Die Praktische Theologie arbeitet mit der relativ neuen Resonanztheorie des Soziologen Hartmut Rosa. Rosa hat dabei den Resonanzbegriff aus der Physik als Basis genommen. Die Physik definiert Resonanz als Schallwellen, die von gleicher Frequenz angeregt werden und miteinander Mitschwingen.


"Wenn zwei Instrumente, etwa Klavier und Geige, miteinander in Resonanz treten, dann bedeutet das, dass jedes in seiner Eigenfrequenz spricht und auf das andere reagiert. Ich meine mit Resonanz eine Beziehung zur Welt, in der man einerseits offen ist um sich berühren zu lassen, vielleicht ergreifen zu lassen, aber andererseits auch selber seine eigene Stimme entfalten kann und damit etwas oder jemanden erreichen kann in der Welt."

Anders ausgedrückt lässt sich sagen, dass wir uns nach Beziehungen sehnen, mit denen wir und die mit uns resonieren. Wir wollen gesehen werden, berührt im übertragenen Sinne und uns dabei wirksam fühlen. Ob und in welchem Mass wir diese Resonanz in unseren Beziehungen mit anderen Menschen und der Welt als Ganzes erleben, hängt unsere empfundene Lebensqualität ab. Dies entscheidet dann auch darüber, wie hoch unser Lebensenergie-Level ist. Erleben wir solcherart erfüllende Beziehungen, Erlebnisse, Tätigkeiten - dazu zähle ich neben der Erwerbsarbeit auch den Selbstausdruck durch kreative Formen wie Schreiben, Malen, Tanzen, und ganz wichtig auch die Beziehung zum Ganzen, das uns umgibt - füllen wir uns mit neuer Energie und haben wiederum mehr Energie zu Geben.


Auf der anderen Seite steht ein Leben mit wenig Resonanz, das immer mehr sucht und will, sich vergleicht und nach Optimierung sucht. Da läuft die eigene Energie nur in eine Richtung, sie fliesst weg, ohne dass sie wieder gefüllt wird. Dies führt letztlich zum Burnout. Auch davon spricht Hartmut Rosa.


Vom Umgang mit den eigenen Ressourcen


Zurück zum Artikel und zur Theologie. Die christliche Theorie, wie sie an Universitäten gelehrt wird, spricht mich nicht sehr an, jedoch überzeugt mich die Aussage der Theologin PD Dr. Evelyn Krimmer. Gerade auch in der Resonanzbeziehung, mit der Natur oder etwas Grösserem als uns zeigt uns unsere Begrenztheit auf: «Die Akzeptanz meiner eigenen, begrenzten Möglichkeiten kann entlastend wirken und vom Denken befreien, alles können und alles machen zu müssen. Darin steckt viel Kraft.»


Die theologische, spirituelle Perspektive deckt sich in dem Aspekt mit der neurowissenschaftlichen. «Lebensenergie hat viel mit Hoffnung und einem achtsamen Umgang mit den eigenen Ressourcen zu tun.», so die Neurowissenschafterin Dr. Barbara Studer.



Das Konzept des All-Eins


Ich selbst schaue den Begriff Lebensenergie aus einer ganzheitlichen Perspektive, einem ganzheitlichen Menschen- und Weltverständnis an. Der Mensch besitzt einen Körper, einen Geist, Emotionen und eine Seele.


In der schamanischen Vorstellung, die in vielen Kulturen herrscht, von den nordischen Schamanen, den südamerikanischen, nordamerikanischen, europäischen, östlichen, und die zunehmend von Erkenntnissen aus der Quantenmechanik geteilt wird, sind wir alle verbunden, wir tragen alles bereits in uns. Wir sind verbunden mit dem All-Eins, wir kommen aus dem All-Eins und wir kehren wieder dahin zurück. Und hier und jetzt sind die Gestalter*innen unserer Realität. In unserem Film des Lebens wir sozusagen die Drehbuchautor*innen, Regisseur*innen, Schauspieler*innen und Zuschauer*innen in einem.


Der Alleins-Begriff ist schwer zu fassen. Es ist keine menschenähnliche, aber Menschen hierarchisch übergeordnete Einheit. Viele viele weise Menschen wie etwa Alan Watts haben es schön in unterschiedlichen Bildern beschrieben, Mir gefällt das Bild, dass wir einzelne Menschen wie ein ein Tropfen im Meer sind von allem was ist. Und alles was ist, ist in diesem einen, einzigartigen Tropfen enthalten. Die alten Gnostiker sprachen davon, dass wir Gott in uns tragen und nicht irgendwo als Autorität im Aussen suchen müssen. In diese Richtung hatte sich das frühe Christentum sehr schnell entwickelt. Dies ist jedoch ein anderes Thema für einen nächsten Blogbeitrag. Dort werde ich über das Patriarchat ranten, watch me.


Musik und Tanz als pure Lebensenergie


Musik bringt meine Lebensenergie in Wallung, Musik zu hören, aktiviert meine Seele und meine Emotionen, sie bringt mich zum Lachen und zum Weinen, wenn ich tanze, verschmelze ich komplett mit dem Augenblick und erfahre, dass genau das Ewigkeit sein muss: der Moment, der ewig dauert. Zeit hört auf zu existieren. Dann bin ich glücklich und Energie fliesst über, wie in einem Kelch, der überströmt voll Energie in Form von flüssigem Gold.


Was bringt DEINE Lebensenergie in Wallung?



Quellen:


Bücher

Grün, Arno: Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau. dtv Verlag, 32. Auflage, 1992

Rosa, Hartmut: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. 2. Auflage. Suhrkamp Verlag, 2016


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